Kein Logo für die Documenta 13

Quelle: fontblog
Die Kasseler Documenta kündigt an, dass das Mailänder Designbüro Leftloft in den kommenden Jahren die visuelle Identität der Kunstausstellung entwickeln wird. Seit 1955 hat sich jede Documenta, die im 5-Jahres-Rhythmus stattfindet, durch das Engagement der Organisatoren und der Öffentlichkeit neu definiert. »Die Künstlerische Leiterin der Documenta 13, Carolyn Christov-Bakargiev, hat mit Leftloft einen kongenialen Partner gefunden, um die Anwendung einer Design-Sprache zu entwickeln, die offen, flexibel, spielerisch, einfach und funktional ist und zugleich die Geschichte der Documenta zu würdigen weiß.« heißt es in einer heute veröffentlichten Pressemitteilung.
»Die wahre Identität der Documenta« ergänzt Leftloft »kann als die Summe vieler unterschiedlichen Zeichen und Bedeutungen beschrieben werden, eher als ein Prozess denn eine festgeschriebene Wirklichkeit. Wir glauben, dass dieser Gesamtzusammenhang nicht auf ein spezifisches Grafikdesign reduziert werden sollte.« Daher haben sich die Italiener dazu entschlossen, eine »flexible visuelle Sprache« zu definieren, die dem Wesen der Documenta Rechnung trage und sie nicht festschreibe. Ihr Ziel sei eine durchgängige und effektive »Nicht-Identität« zu erreichen, die nicht auf der Wiederholung eines einzigen grafischen Elements aufbauen werde.
Daher werde die 13te Ausgabe der Documenta kein traditionelles Logo mitführen. Stattdessen gebe es eine Regel für die Schreibweise des Wortes. Es werde am Anfang immer mit kleinen d geschrieben, die folgenden Buchstaben in Versalien, gefolgt von der in Klammern gesetzten Zahl 13. Die Regel soll besagen, »dass die Lehren dieser 13. Documenta (das lateinische ›documentum‹, von dem das Pluralwort ›documenta‹ stammt, bedeutet ›Lehre‹ und gelegentlich bezeichnet es auch eine ›Ermahnung‹) nicht pedantisch sein werden. Wir setzen vielmehr eine lebendige, pluralistische, ideenreiche und stetig zunehmende Entwicklung in Gang. Viele, auch die Öffentlichkeit, werden in den kommenden Jahren in diesen Prozess involviert werden. Der Höhepunkt, im Jahr 2012, stellt nur einen Moment einer viel längeren Reise dar, durch die Klammern um die dreizehn wird das deutlich.«
Die visuelle Sprache der kommenden Documenta werde im Laufe der Zeit durch den Einsatz einer steigenden Anzahl von Schriften unverwechselbar. Jede Schrift sei einem bestimmten Objekttyp zugeordnet, heißt es in der heutigen Verlautbarun. Die Typografie des Namens solle in jeder ihrer Anwendungen variieren, von der Pressemitteilung bis zur Webseite, vom Briefkopf bis zu den Künstler- und Notizbüchern. Es wird also eine Reihe von dOCUMENTA-(13)-Logos zum Einsatz kommen, die sich zwar unterscheiden, doch durch die gleiche Syntax einen gemeinsamen Charakter ergeben.
»Die documenta hat seit ihrem Beginn in den 1950er Jahren in den meisten Fällen ein kleines d anstatt eines großen D’s verwendet«, kommentiert Christov-Bakargievdie Wortmarke der Veranstaltung. »Während dies in ihren Anfängen eine radikale demokratische Geste und eine Entscheidung des Designs war, ist heute die Nicht-Großschreibung von Wörtern ein Beispiel für eine von vielen unbeabsichtigten Gesten der digitalen Welt, die Nachrichten über Netzwerke und rund um den Globus schickt. Die normalen Schreibregeln umzudrehen, indem man das restliche Wort in Großbuchstaben schreibt, erfordert aktives Engagement, Aufmerksamkeit und einen gewissen Mehraufwand an der Tastatur. Leftlofts Entwicklung ist interessant und bringt in ihrer Verbindung zum frühen modernen Grafikdesign des zwanzigsten Jahrhunderts symbolische Bedeutung mit sich.«


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